Über die Geschichte der Friedrichsdorfer Feuerwehr berichtet Historikerin Johanna Koppenhöfer.
Die Anfänge der Friedrichsdorfer Feuerwehr
Die erste Friedrichsdorfer Feuerwehrpolizeiordnung wurde im Jahre 1786 unter Schultheiß Henri Privat erlassen. Die Schutzbestimmungen beruhen auf der Feuerschutzordnung des Amtes Homburg aus dem Jahre 1771, die für die Landgrafschaft Hessen verbindlich war. Danach mußte jeder Bürger, der keinen eigenen Brunnen besaß, eine Bütte voll Wasser in seinem Hause vorrätig halten. Bei nächtlichem Gewitter mußte geläutet werden, damit jeder im Notfall zum Löschen bereit war. Stroh- oder Schindeldächer mußten durch Ziegel- oder Schieferdächer ersetzt werden, Fachsdörren im Haus war verboten, in den Scheuern und Ställen durfte kein offenes Licht verwendet werden, nach 9 Uhr abends durfte nicht mehr gekocht werden. "Niemand soll sich erkühnen- ...kleine Kinder im Haus, worinnen annoch Feuer, es sey viel oder wenig, vorhanden, einzusperren..." lautete eine weitere Vorschrift, Schornsteinfeger sollten dreimal jährlich die Kamine und Schornsteine kontrollieren zum Preis von 4 Kreuzern je Schornstein, die Weeden mußten immer gut mit Wasser gefüllt sein, jeder Neubürger mußte sofort einen ledernen Eimer auf eigene Kosten anschaffen. Wer schuldhaft einen Brand verursachte, mußte den ganzen entstehenden Schaden erstezen und konnte sogar mit dem Tode bestraft werden.
Ursprünglich war Friedrichsdorf von der Homburger Feuerwehr abhängig. Dafür mußte jeder Einwohner 1 Gulden 30 Kreuzer an die General-Feuerkasse in Homburg abführen. Da der Friedrichsdorfer Stadtrat den Feuerschutz lieber in eigene Regie betreiben wollte, -im Brandfalle war Bad Homburg viel zu weit entfernt - erbat man sich die Befreiung von dieser Abgabe und die Erlaubnis, eine eigene Feuerspritze anzuschaffen. Diese wurde dann bei dem Glockengießer Barthels zu Frankfurt für 630 Gulden bestellt.
Wichtigkeit der Brandspritzen wird bei Großbrand deutlich
Die Friedrichsdorfer Ordnung von 1786 machte noch keinen Unterschied zwischen Krieg und Feuersbrünsten. Die gesamte Bürgerschaft wurde in zwei „Quartiere" links und rechts der Hauptstraße eingeteilt. Es wurden „Offiziere" ernannt, welche die Bürgerschaft im Notfalle anführen sollten. Schultheiß Henri Privat erhielt den Rang eines „captaine", der Flanellfabrikant Jérémie Garnier war der Leutnant und Jean Jaques Achard Fähnrich.
Diesen Offizieren waren je zwei Quartiermeister zugeordnet hier waren es Jean Pierre Désor und Isaac Chevalier, welche die Bürger bei Aufruhr und Feuersbrünsten aufriefen, dann musste jeder Bürger mit seinem Wassereimer herbei eilen. Wenn „gestürmet" wurde, kamen die Leute mit ihrem Gewehr an. Damit im Ernstfall der Einsatz klappte, wurden regelmäßige Übungen anberaumt. Fehlen kostete einen Gulden, der zum Teil in die Feuerspritzenkasse floss, zum Teil von der übrigen Mannschaft verzehrt werden durfte. Zu jedem „Quartier" gehörte auch ein Schuhmacher, der die ledernen Eimer und Schläuche reparierte.
Diese Feuerpolizeiordnung wurde in deutsch abgefasst, damit auch die deutschen Neubürger nicht Unwissenheit vorschützen konnten. Trotz aller Übungen scheint es aber Pannen gegeben zu haben, denn als es im Jahre 1793 in Rodheim brannte, war die Friedrichsdorfer Spritze zwar rechtzeitig zur Stelle, so schnell wie es mit Pferd und Wagen eben ging, aber es fehlte an genügend Helfern, so dass es an Wasser mangelte.
Daher wurden bald strengere Strafen für alle angedroht, die ohne triftigen Grund beim Einsatz fehlten. Glücklicherweise kam es in Friedrichsdorf durch die Anlage als Straßendorf nicht zu schweren Bränden. Erst im Jahre 1842 berichtet die „Chronique" von einem Großbrand, dem drei Lagerräume, zwei Färbereien und ein Wohnhaus, sowie Vorräte an Stoffen, Tabak und Getreide zum Opfer fielen. Das Feuer war am 11. Juni 1842 ausgebrochen, und Stadtrat und Schultheiß riefen bereits drei Tage später die Bürger der Stadt zu „milden Spenden" auf.
Die Sammlung zu Gunsten der Brandgeschädigten ergab insgesamt eine Summe von 8313 Gulden. Auch der Landgraf und die reformierte Gemeinde in Frankfurt hatten sich beteiligt. Die Geschädigten waren so dankbar, dass sie insgesamt 1190 Gulden abzweigten, um eine neue Feuerspritze zu kaufen, denn man bediente sich immer noch der alten Spritze aus dem Jahre 1786. Die neue Spritze wurde dieses Mal bei der Glockengießerei Bach in Windecken für 620 Gulden gekauft.
Langsamer Feuerläufer oder schlechte Pferde ?
Im Jahre 1844 besaß die Friedrichsdorfer Pflichtfeuerwehr zwei Feuerspritzen, dazu 42 lederne Feuereimer, drei Feuerleitern und 13 Feuerhacken. Von einer Schutzausrüstung der Mannschaften wird nichts berichtet.
Wenn es brannte, mussten „Feuerläufer" in die nächsten Orte laufen und Hilfe holen. Für das Jahr 1858 werden folgende Namen gemeldet: Constant Privat war für den Lauf nach Holzhausen (Burgholzhausen) zuständig, Louis Désor lief nach Seulberg, C. Verry nach Köppern und Daniel Arrabin nach Kirdorf, später gab es auch einen Feuerläufer für Dillingen.
Mit den Feuerläufern gab es manchmal Probleme. So beschwerte sich im Dezember 1852 der Köpperner Bürgermeister Harff, dass der für Köppern eingesetzte Feuerbote schon alt und geistesschwach sei und die Gemeinde Köppern könne deshalb unmöglich rechtzeitig bei einem Brand zu Hilfe kommen. Es hatte kurz vorher in Homburg gebrannt und die Köpperner waren zum Löschen zu spät gekommen. Der Friedrichsdorfer Bürgermeister Garnier wehrte sich gegen die Beschuldigung und teilte der Regierung mit, dass der Feuerläufer für Köppern ein kräftiger Mann sei, der das Laufen gewöhnt wäre zudem bei seinem hitzigen Temperament gar nicht langsam gehen könne, und eigentlich immer am Laufen wäre. Von Geistesschwachheit könne überhaupt nicht die Rede sein. Das späte Erscheinen der Köpperner sei auf deren schlechte Fuhrwerke und Pferde zurückzuführen.
Auch mit der Friedrichsdorfer Spritze hatte es Ärger gegeben, weil sich der Fuhrmann Islaub, der die Pferde dafür zur Verfügung stellte, auf die Spritze gesetzt und sie dadurch beschädigt hatte.
Bis 1876 war die Mannschaft stark angewachsen. Zwölf Männer waren zur Feuerwache eingeteilt, daneben gab es zwei Rotten mit je 20 Leuten. Im Jahre 1858 wurde ein freiwilliges Rettungscorps für Brandeinsätze gegründet, das aus etwa 20 jungen Männern bestand. Die offizielle Gründung der „Freiwilligen Feuerwehr Friedrichsdorf" erfolgte am 20. März 1894, als sich auf den Aufruf des Bürgermeisters 52 Bürger meldeten.
Einwohner verspeisten eim bei Brand gebratenes Schwein
Das erste Feuerspritzenhaus, das auch als Wacht- und Hirtenhaus diente, befand sich in der Talstraße neben einem Löschteich. Es ist heute längst abgebrochen. 1898 wurde dann das Spritzenhaus mit Steigerturm in der Taunusstraße, heute Gasthaus zum Löwen, erbaut, das auch nicht mehr besteht. 1961 entstand dann das dritte Feuerwehr-Gerätehaus in der oberen Taunusstraße.
Der Brand bei Gastwirt Islaub, Gasthaus zum Löwen, im Jahre 1885, der die ganze Hofreite samt Viehbestand vernichtete, hatte noch ein Nachspiel. Darüber berichtet die Kreiszeitung von 17. Mai 1885: „Einige herbei geeilten Köpperner Bewohner ließen sich, trotz des fürchterlichen Brandes und notwendiger Hilfe, ein verbranntes Schwein recht gut schmecken. Das Schwein war vollständig geröstet, zumal soll der Schinken einen schmackhaften und saftigen Bissen geliefert haben."
Verständlicherweise wehrte sich die Köpperner Löschmannschaft gegen diesen Vorwurf und beschuldigte drei Friedrichsdorfer Arbeiter, das Schwein angeschnitten zu haben. Als es einige Jahre später gegenüber der Kirche brannte, durften die größeren Schüler des Instituts Garnier beim Löschen helfen: Einer berichtet davon: „Wir mussten zuerst untätig mit zusehen, wie aus dem Feuerwehrhaus die alte Spritze heraus gezogen wurde, wie man ihrem Bauch diverse nicht hinein gehörige Gegenstände entnahm und wie das alte Möbel dann über das berühmte Friedrichsdorfer Pflaster dahinklapperte. Endlich erscholl der Ruf: Oberprima und Unterprima vor!" Und dann durften die Schüler zusammen mit den Einwohnern eine lebende Kette bilden, um die Wassereimer weiterzureichen. Dass die Zöglinge des Mädcheninstituts die leeren Eimer in Empfang nahmen, begeisterte die Jünglinge des Instituts.
Die Gebäudebrandversicherung wurde am 12. August 1852 durch landgräflichen Befehl eingeführt. Es gab aber schon seit 1777 eine landgräfliche Brand Assecurationskasse, in welche Beiträge je nach Wert des Gebäudes einbezahlt wurden und aus der man im Brandfalle eine Teilentschädigung erhielt.
So wurde Johann Peter Datz im Jahre 1811 mit 300 Gulden für sein niedergebranntes Anwesen entschädigt. Jedoch war die Mitgliedschaft nicht zwingend vorgeschrieben. Als die großen Feuerversicherungen entstanden, riss man sich natürlich um die einzelnen Gemeinden. So bot die Aachen-Münchener Feuerversicherungsgesellschaft im Jahre 1874 der Stadt eine Feuerspritze als Geschenk an, was diese natürlich akzeptierte.
|