Feuerwehr-Übung auf der Baustelle
Ein Höhenrettungskonzept hat der Regierungspräsident für die Baustelle der neuen Philipp-Reis-Schule verlangt. Deshalb übten 25 Feuerwehrleute am Samstag auf zwei Kränen.
Zuerst wird er auf der Trage festgeschnallt und dann in schwindelerregende Höhe gezogen. Oben auf dem Kran, 20 Meter über der Erde, nehmen ihn zwei Feuerwehrleute in Empfang. Chuck ist 80 Kilo schwer und zum Glück nur eine Puppe: Der Übungs-Dummy der Feuerwehr. Denn am Samstag haben 25 Frauen und Männer von den Wehren Friedrichsdorf, Seulberg und Burgholzhausen auf der Baustelle der neuen Philipp-Reis-Schule (PRS) geübt. Es ging darum, wie man einen Kranführer rettet, der in seiner Kanzel einen Herzinfarkt erlitten hat. Insgesamt vier Kräne stehen auf der 44 500 Quadratmeter großen Baustelle an der Färberstraße. «Sie sind zwischen 20 und knapp 60 Meter hoch», erklärt Bauleiter Markus Hadasch von der Generalunternehmer-Firma Züblin. Im Vergleich zu Frankfurter Hochhausbaustellen, mit 120 Meter hohen Kränen, nimmt sich das zwar niedlich aus. Aber wenn man vor so einem l eibhaftigen gelben Gitter-Giganten steht, bekommt man trotzdem einem Heidenrespekt. Auch wenn er nur 20 Meter misst.
10 Minuten Aufstieg Die Feuerwehrübung hat das Regierungspräsidium vorgeschrieben: Ein Höhenrettungskonzept war gefordert. Und so kann man beobachten, wie ein Feuerwehrmann nach dem anderen die Leitern in den Türmen zweier Kräne hinauf klettert. 10 Minuten dauert so ein Aufstieg. Oben wagen sich die Feuerwehrleute gleich auf den Ausleger. «Dort ist genug Platz, um einen Kranken in die Trage zu legen», erklärt Hadasch. Die Trage wird dann am Arm eines noch höheren Krans befestigt, denn an jedem Kran-Ausleger hängen Stahlseil und Ketten, die dafür verwendet werden können. Dann wird die Trage vorsichtig nach unten gelassen. – Sie ist jetzt leer. Denn für Chuck, benannt nach dem unbesiegbaren Action-Helden Chuck Norris – er isst keinen Honig, sondern kaut Bienen – ist das mit der Trage Kinderkram. Deshalb hängen ihn die Feuerwehrleute nun in ein Sitzgeschirr und lassen ihn von oben zu Boden schweben. Das geht notfalls auch ohne Strom und per Handkurbel. «Wenn das ein Verletzter wäre, der noch dazu Angst hätte, würde ihn ein Feuerwehrmann in einem zweiten Sitzgeschirr begleiten», sagt Stadtbrandinspektor Ulrich Neeb, der die Übung leitet. Das gleiche gelte für die Rettungstrage. Wenn ein Patient darin liegt, kann ein Feuerwehrmann mit ihm nach unten schweben. Allerdings ebenfalls im Sitzgeschirr. In der Trage ist nur Platz für den Kranken.
Sie drehen sich im Wind Zu den Aufgaben für die Feuerwehrleute gehört auch, den Kran zu bedienen. Denn wenn am Arm so eines Gerätes eine Last hängt, muss die erstmal abgesetzt werden. 2 bis 12 Tonnen schwere Bauteile kann so ein langer Lulatsch heben, je schwerer sie sind, desto näher am Turm müssen sie hängen. Feuerwehrmann Frank Leun hat das Kransteuern oben in der Kanzel geübt. «Und auf der Plattform muss man vor allem sicher stehen», erklärt Feuerwehrfrau Lisa Nätscher.
Ganz wichtig ist auch die Bremse: «Wenn die Kräne nicht arbeiten, sind sie freigestellt», sagt der Bauleiter. Das heißt, sie drehen sich mit dem Wind. Das ist vor allem bei Sturm wichtig. «So wie vor wenigen Wochen, als bei Windstärke 8 im Spießwald reihenweise Bäume umgefallen sind. Unsere Kräne dagegen sind stehen geblieben.» Übrigens stehen Kräne immer so, dass ihre Arme nicht gegen andere Ausleger oder Türme stoßen können. Nur wenn sie Lasten tragen, müssen die Kranführer damit aufpassen. «Aber da gibt es Vorfahrtsregeln, die die Kollegen kennen.» Am Samstag, während der Übung, wird die Bodenplatte der künftigen Sporthalle betoniert. «600 Kubikmeter Beton werden aufgebracht. Das sind rund 75 Mischfahrzeuge voll», erklärt der Bauleiter. Zum Vergleich: Für ein Einfamilienhaus braucht man gerade mal 40 bis 50 Kubikmeter Beton. Derzeit arbeiten rund 50 Personen auf der Baustelle. «Wir bauen jetzt auf knapp 50 Prozent der Fläche», sagt Hadasch. Es sei normal, dass zu Anfang und gegen Ende einer Baumaßnahme weniger Personen dort beschäftigt seien, als in der Mitte. Künftig werden es bis zu 100 Mitarbeiter sein. 18 000 Quadratmeter groß wird die Grundfläche von Schule und Sporthalle. Insgesamt werden 64 000 Kubikmeter Erde bewegt, 3700 Tonnen Stahl und 12 000 Kubikmeter Beton verbaut. Im August soll der Rohbau fertig sein und Mitte 2011 die ganze Schule. «Wir machen sie schlüsselfertig, inklusive fester Möblierung wie Wandschränke und Laboreinrichtungen», sagt Hadasch. Richtig zu kämpfen hatten die Bauarbeiter im Februar mit dem Wasser. Als die Stadt in Hochwasser-Alarmbereitschaft stand, waren die Baugruben voll gelaufen. «Das Wasser stand zwei Meter hoch, da mussten wir drei Tage lang pumpen.»
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